Gebührenfallen der Billigflieger entschlüsselt: wie Ryanair, Wizz und easyJet wirklich verdienen

Laura
Gebührenfallen der Billigflieger entschlüsselt: wie Ryanair, Wizz und easyJet wirklich verdienen
Foto von Peter Thomas auf Unsplash

Im Ryanair-Buchungsprozess lauern zwischen Schritt 1 (Flug auswählen) und Schritt 6 (bezahlen) exakt sieben Upsell-Seiten. Sieben. Jede ist so gestaltet, dass der günstigste Weg nach vorne wie der schlechteste aussieht, und der komfortablere wie der logische Standard. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern Ergebnis von Dark-Pattern-Forschung aus 2023, die Buchungsprozesse europäischer Billigflieger systematisch analysiert hat. Ryanair und Wizz Air waren Spitzenreiter in der Kategorie "irreführende Standard-Vorauswahl".

Das Geschäftsmodell ist simpel: Das Ticket ist der Blickfang, die Extras sind das Geschäft. Ryanair macht rund 32 Euro Ancillary Revenue pro Passagier — das entspricht auf vielen Kurzstrecken fast dem Ticketpreis. Wer weiß, wo die Fallen stehen, fliegt trotzdem günstig. Wer nicht weiß, zahlt double.

Die Gepäckgebühr: das teuerste Extra

Auf einer FRA–DUB Ryanair-Strecke kostet das Aufgabegepäck bis 20 kg im August 2026 je nach Buchungszeitpunkt zwischen 28 und 48 Euro — pro Strecke. Hin- und Rückflug zusammen: 56 bis 96 Euro für einen Koffer. Das ist bei einem Basisticket von 39 Euro mehr als der Flugpreis selbst.

Wizz Air berechnet ähnlich: 20 kg Aufgabegepäck ab 20 Euro pro Strecke, in Hauptsaison und bei Buchung am Flughafen bis zu 65 Euro. easyJet liegt bei 15 bis 35 Euro pro Strecke für 23 kg.

Die Konsequenz ist mathematisch: Wer regelmäßig Gepäck aufgibt, ist auf Netzwerk-Carriern wie Eurowings oder Condor im Gesamtpreis oft konkurrenzfähig oder sogar günstiger. Gepäck ist das einzige Extra, das Billigflieger-Tarife komplett aushebeln kann.

Der Kabinenkoffer-Trick — und warum er 2026 nicht mehr verlässlich funktioniert

Bis 2022 war die Strategie simpel: Nimm einen 55-cm-Trolley, geh frühzeitig zum Gate, bring ihn in die Kabine. Ryanair hat darauf reagiert. Ohne Priority Boarding (8 bis 22 Euro je nach Strecke) kommst du als Normalpassagier erst als letzter ins Flugzeug. Ist das Overhead-Fach voll, wird dein Trolley eingecheckt — und du zahlst an der Tür 50 Euro Gebühr, nicht die günstigere Vorab-Gepäckgebühr.

Ryanair nennt das "Gate Check". In der Praxis bedeutet es: Wer kein Priority Boarding kauft und einen großen Trolley hat, zahlt das Vielfache des Vorab-Gepäckpreises am Gate. Das System ist so gestaltet, dass Priority Boarding de facto Pflicht ist, wenn man mit Trolley fliegt.

easyJet hat dasselbe System, nennt es "Cabin Bag Fee at the Gate", und der Preis liegt dort bei 55 bis 65 Euro.

Lösung: Entweder Priority kaufen, oder einen echten Unterflur-Rucksack nehmen, der in das kleine Fach unter dem Sitz passt. Das ist der einzige kostenlos-und-stressfrei-Weg ohne Priority.

Sitzplatzreservierung: wenn du wählen musst

Sitzplatzreservierung ist bei allen drei Carriern optional — mit einem Haken: Wenn du keine reservierst, wirst du automatisch einem zufälligen Platz zugeteilt. Bei Familien oder Paaren führt das zur Trennung. Wizz Air und Ryanair trennen Sitze von nicht-zahlenden Passagieren systematisch — die zugewiesenen Plätze sind oft in verschiedenen Reihen.

Die EU-Kommission hat Ryanair und easyJet diesbezüglich mehrfach unter Druck gesetzt. Die Airlines bieten mittlerweile "kostenfreie Sitzplatzzuweisung beim Check-in" an — die aber erst 24 Stunden vor Abflug stattfindet und nicht garantiert, dass du neben deiner Begleitung sitzt.

Sitzplatzkosten: Ryanair 5 bis 25 Euro pro Sitz pro Strecke (Emergency Exit und vordere Reihen deutlich teurer). Wizz Air 6 bis 30 Euro. easyJet 5 bis 20 Euro. Wer eine Gruppe von 4 Personen zusammen setzt, zahlt schnell 40 bis 80 Euro allein für Sitzplätze.

Check-in-Gebühren: die Falle, die es immer noch gibt

Ryanair und Wizz berechnen Flughafen-Check-in-Gebühren. Ryanair: 55 Euro pro Strecke, wenn du dich nicht online eingecheckt hast. Das klingt absurd, aber es passiert: Passagiere, die den Online-Check-in verpasst haben, oder die — aus irgendeinem Grund — ein Problem mit dem Boarding Pass auf dem Smartphone haben, zahlen am Schalter 55 Euro pro Person, pro Richtung.

Gegenmaßnahme: Boarding Pass als PDF herunterladen und ausdrucken oder offline speichern. Check-in immer zwischen 48 und 2 Stunden vor Abflug erledigen.

Zahlungsmethoden-Aufpreis: der kaum sichtbare Aufschlag

Ryanair erhebt Zahlungsgebühren für alle Methoden außer Mastercard Debitkarte (keine Visa, keine Kreditkarte, keine PayPal). easyJet verlangt bei bestimmten Karten-Typen bis zu 12 Euro "Payment Handling Fee". Wizz Air hat diese Gebühren 2024 nach einem EU-Verfahren reduziert, verlangt aber immer noch Aufschläge auf bestimmte Zahlungsmethoden.

Gegenmaßnahme: Immer mit Mastercard Debit bezahlen (oder konkret prüfen, welche Karte die jeweilige Airline gebührenfrei verarbeitet, bevor du buchst).

Änderungs- und Stornogebühren: das Kleingedruckte

Billigflieger-Tickets sind in der Basisklasse nicht erstattbar. Umbuchung kostet bei Ryanair 35 bis 65 Euro plus Preisdifferenz, bei Wizz Air 35 bis 55 Euro. easyJet hat flexiblere Optionen, aber die günstigsten Tarife ("Standard") sind auch dort nicht kostenlos umbuchbar.

Wer das Extra "Flexi Plus" oder "WIZZ Flex" kauft (15 bis 35 Euro pro Person), bekommt Umbuchungs- und Stornomöglichkeiten. Auf einer Kurzstrecke, die 50 Euro kostet, ist 30 Euro für Flex eine 60-prozentige Aufzahlung. Lohnt sich meistens nicht, es sei denn die Unsicherheit ist hoch.

Die ehrliche Bilanz: wann Billigflieger gut sind

Wenn du folgendes tust, sind Ryanair, Wizz und easyJet oft 15 bis 40 Euro günstiger als Netzwerkcarrier:

  • Nur Handgepäck (kein Koffer, kein großer Trolley)
  • Kein Sitzplatz reserviert (akzeptierst du Zufall oder sitzt allein)
  • Online eingecheckt
  • Mastercard-Debit bezahlt
  • Frühzeitig gebucht (8 bis 12 Wochen vorher)

Sobald eine dieser Bedingungen wegfällt, wird die Rechnung unklarer. Sobald zwei wegfallen, ist Eurowings oder Condor oft billiger im Gesamtpreis.


Den echten Gesamtpreis eines Tickets — inklusive aller Extras — siehst du erst am Ende des Buchungsprozesses. Flyozo zeigt dir, wann ein Tarif auf deiner Wunschroute wirklich günstig ist, und du kannst direkt mit klarem Kopf entscheiden, ob der Basispreis nach dem Extras-Test noch Sinn ergibt.

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